Sie werden es kennen: „Schwule Sau“ ist eines der beliebtesten Schimpfworte unter Jugendlichen. Selbst wenn es nur als Synonym für etwas Schlechtes genutzt wird, hat es auf junge Lesben und Schwule eine massive Wirkung. Mit der Bezeichnung „Transe“ werden viele junge Trans*menschen gemobbt. Nur selten greifen Lehrer_innen oder Jugendarbeiter_innen ein. Kein Wunder, dass junge Lesben und Schwule, sowie Trans* an Orten, an denen sich Jugendliche treffen, ihre gleichgeschlechtliche Orientierung bzw. ihre geschlechtiche Idetität verbergen oder solche Orte ganz meiden.

Auch als Problemhintergrund werden sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität bzw. die Auswirkungen von Ausgrenzung und Diskriminierung z.B. in Jugendhilfe, Jugendberatung oder Jugendsozialarbeit häufig zu wenig beachtet.

Wussten Sie, dass …

  • ca. 5- 7 % der Jugendlichen lesbisch / schwul sind?
  • 50 % der Mädchen / 70 % der Jungen, Lesben und Schwule gar nicht gut finden?1
  • 63,5 % der Jugendlichen erlebt haben, dass ihre geschlechtliche Idetität nicht ernst genommen wurde?
  • 20 % der Mütter / 25 % der Väter die Homosexualität ihrer Kinder dauerhaft nicht akzeptieren?2
  • 60 % der jungen Schwulen Gewalterfahrungen erleben mussten?3
  • 54,2 % der Fachkräftein der Jugendhilfe meinen, sich im fachlichen Umgang mit trans*Jugendlichen (eher) nicht sicher zu fühlen?
  • Junge Lesben und Schwule ein 4-7faches Suizidrisiko haben?4

(Weitere Informationen zur Lebenssituation von jungen Lesben, Schwulen und Trans* finden Sie bei „Material„)

Diese Diskriminierung wirkt nicht nur auf junge Lesben, Schwule und Trans*. Ein Klima der Abwertung und Ausgrenzung ist ein gesellschaftliches Problem, hat viele Gründe und wirkt sich negativ auf alle jungen Menschen – gleich welcher sexueller Orientierung, Herkunft oder Religion – aus.

Es geht auch anders!

Thematisierung und Wertschätzung der Vielfalt verbessern nicht nur die Lebenssituation von jungen Lesben, Schwulen und Trans* oder denen, die dafür gehalten werden. Durch Auseinandersetzung mit Ursachen, Systematiken und Wirkungen von Ausgrenzung und Diskriminierung sowie der Reflexion von traditionellen Geschlechterrollen und der Situation von Minderheiten öffnen sich für alle Jugendlichen neue Perspektiven. Gleichzeitig verbessert sich das Klima unter den Jugendlichen spürbar.

Bereits 2003 stellte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter fest: „Sexuelle Orientierung ist ein relevantes Thema der Jugendhilfe“. Die Jugendhilfe ist aufgefordert das Thema als wichtigen Aspekt ihrer Angebote und Maßnahmen aufzugreifen. Auch in einigen kommunalen Kinder- und Jugendförderplänen sind Formulierungen zu finden, die dieses Thema vage aufgreifen.