Einmal im Jahr organisiert GERNE ANDERS einen Fachtag, der unterschiedliche Aspekte von LSBTIN* Jugendlichen und deren Lebenswelten in den Fokus nimmt. Dazu werden hochqualifizierte Referent*innen eingeladen, die die Schwerpunkte bedienen.

Damit die Themen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität nicht nur in Großstädten sowie Ballungsgebieten Berücksichtigung finden, sondern auch – oder gerade – im ländlichen Raum sichtbar gemacht werden, fokussiert sich GERNE ANDERS jedes Jahr auf eine andere Schwerpunktregion, in der der Fachtag jeweils stattfindet.

In Kooperation mit der jeweiligen Kommune und mit lokalen Angeboten der queeren Jugendarbeit – wenn vor Ort vorhanden – wird der Tag für Fachkräfte, Politik und Träger gestaltet. So konnten bereits Fachtage u.a. in Münster, Arnsberg, Bielefeld und Siegen stattfinden und Themen wie Migration, lesbische Sichtbarkeit, queere Geschichte, Trans*wege oder Einsamkeit beleuchtet werden.

Wer sich einen Eindruck der vergangenen Fachtage verschaffen möchte oder an den bisherigen Themen interessiert ist, kann die Referate, Podiumsgespräche usw. über die Videodokumentation unter Material / Downloads einsehen.



Kinder und Jugendliche, die lesbisch, schwul, bi, trans*, inter* und/oder nicht-binär sind, gehören selbstverständlich zur Vielfalt unserer Gesellschaft, auch in der Jugendarbeit. Dennoch erleben viele von ihnen Ausgrenzung, Unsicherheit oder fehlende Unterstützung, wenn es um ihre Identität geht. Pädagogische Fachkräfte stehen damit vor der Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen unabhängig von geschlechtlicher Identität und/oder sexueller Orientierung sicher, sichtbar und gestärkt aufwachsen können.

Mit dem Fachtag 2026 wollen wir die Bedeutung von LSBTIN* Jugendarbeit in den Mittelpunkt rücken: Wie können wir Fachkräfte besser qualifizieren, um Vielfalt selbstverständlich mitzudenken? Welche strukturellen Voraussetzungen braucht es, um Akzeptanzförderung nachhaltig zu verankern? Und wie kann die Jugendhilfe junge LSBTIN* Menschen konsequent mitdenken: in Angeboten, Konzepten und Entscheidungen?

Der Fachtag bietet Impulse aus Praxis und Wissenschaft, zeigt gelingende Beispiele und lädt zum Austausch über Strategien einer LSBTIN*sensiblen Jugendarbeit ein. Denn: Wer Jugend ernst nimmt, darf Vielfalt nicht übersehen. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Stadt Duisburg statt.

Ein erster Ausblick, welche Inhalte Sie am 14. GERNE ANDERS Fachtag erwarten:

Prof. Dr. Melanie Groß – Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel


Jugendarbeit mit lsbtiq* Jugendlichen – Wozu queere Jugendarbeit?

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit steht für eine subjekt- und lebensweltorientierte Sozialpädagogik, die Interessen und Bedarfe junger Menschen in den Vordergrund stellt. In der Praxis wird jedoch immer wieder deutlich, dass nicht alle Jugendlichen gleichermaßen von der OKJA adressiert werden und sie nicht immer einen Raum erhalten, der ihnen Sicherheit und Anerkennung bietet. Gerade diese sind aber dringend notwendig, um lsbtiq* Jugendlichen safer spaces und einen emanzipatorischen Raum zur Selbstentfaltung zu bieten, da sie im Alltag, in der Familie, Schulen, Sport und Cliquen mit Tabuisierung, Diskriminierung und Gewalt konfrontiert sind. Neben dem allgemein formulierten Auftrag der Jugendarbeit im KJStG treten nun inzwischen weitere rechtliche Neujustierungen, die das Recht von lsbtiq* Jugendlichen im Alltag stärken und neue Konzepte in der Kinder- und Jugendhilfe erfordern.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Lebenssituation von lsbtiq* Jugendlichen sowie in die rechtlichen Neujustierungen der vergangenen Jahre und leitet daraus eine Perspektive für die praktische Arbeit mit lsbtiq* Jugendlichen ab.


Prof. Dr. Andrea Nachtigall – Alice Salomon Hochschule Berlin


Queere Jugendarbeit in Zeiten des Backlash – Safer Spaces zwischen Pride und Protest

Queere Jugendarbeit hat sich in den letzten Jahren weiter etabliert und professionalisiert. Vor allem in städtischen Regionen gibt es vielfältige Angebote, zumeist im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die sich explizit an queere (LSBTIN*) Jugendliche richten. Aktuell erleben wir allerdings eine gefährliche Dynamik: Wir sehen, wie schnell gleichstellungs- und queerpolitische Errungenschaften wieder in Frage gestellt werden und sich (extrem) rechte und rechtskonservative Geschlechterdiskurse in Politik und Gesellschaft weiter ausbreiten. Dabei geraten besonders Frauen- und LSBTIQ-Rechte unter Beschuss, sind queere Menschen und queere Repräsentationen – momentan besonders trans Personen – extremen Anfeindungen und Infragestellungen ausgesetzt. Dieser queerfeindliche Backlash macht auch vor der Sozialen Arbeit nicht Halt und erfordert neue Antworten und Gegenstrategien.

Der Vortrag beleuchtet aktuelle antifeministische queerfeindliche Diskurse und den Anstieg queerfeindlicher Gewalt. Im zweiten Teil wird die Bedeutung und Entwicklung von queeren Safer Spaces anhand eigener Studienergebnisse skizziert. Der Fokus liegt insbesondere auf deren empowernden Effenkten sowie den widerständigen Praktiken, mit denen Fachkräfte und Jugendliche auf die (extrem) rechten Diskursverschiebungen und queerfeindliche Mobilisierung reagieren.

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